Die Chronik des Vereins in kurzen Auszügen:
Die Jahre nach dem Krieg von 1870/71 und dessen Auswirkung auf das öffentliche Leben in der damaligen Zeit schlug sich auch auf viele Vereinsgründungen nieder.
Eine dieser Gründungen war der der Liederkranz. Schon gegen Ende des Jahres 1876 hatte man sich zusammengesetzt, doch erst im Januar 1877 machte man dann Nägel mit Köpfen. 27 Sänger wählten Mathias Gilbert im ältesten Gasthaus des Ortes Friedrichsfeld, der "Goldenen Krone" (unser heutiges Rathaus), zum ersten Vorsitzenden. Und sie gaben dem Verein den Namen "Liederkranz". Für die musikalische Leitung konnte man bis zum Jahre 1904 Lehrer Schaaf gewinnen. Drei Jahre blieb Mathias Gilbert im Amt, ihm folgte 1881 Mathias Dehoust, 1893 Johann Lutz, 1898 Titus Gilbert, 1903 Jakob Müller II., Peter Walter 1907, der wieder wechselte mit seinem Vorgänger. 1922-24 Eugen Hellriegel und 1925-28 wieder Peter Walter.
Zwischen 1928 bis 1964 gab es gleich zehn verschiedene Amtsperioden, mit teilweise den selben Namen.
Wesentlich längere und durchgehende Amtszeiten konnten dann Adolf Fischer (1964-1982) und Wolfgang Krämer (von 1982 bis 2005) vorweisen.
"Rein im Sange, treu im Wort,
fest in Eintracht immerfort,
Deutsches Lied tön' ewig fort
Liederkranz sei unser Hort."
Diese vier Zeilen wurden zum Wahlspruch des jungen Vereines. Unter diesem Motto sicherten sich die Sänger unter den damaligen Dirigenten, den Hauptlehrern Adolf Leonhard und Karl Brummer von der Friedrichsfeldschule, in den Jahren 1904 bis 1914 viele herausragende Preise.
Und man nahm das gesangliche Engagement wirklich ernst. Was man neben den musikalischen Aktivitäten auch aus den Äußerlichkeiten erkennen kann. Stammt doch die älteste Fahne des Vereines, welche für das 125-jährige Jubiläum im Jahre 2002 restauriert wurde, aus dem Jahre 1888.
Eine bedeutende Blick auf die Entwicklung des Ortes Friedrichsfeld zeigt ein Eintrag im Protokollbuch: "Am 19. Juli 1913 sang der Verein erstmals bei elektrischer Beleuchtung."
Mitten in den Vorbereitungen zu einem der damals sehr beliebten Waldfeste war man, als der Erste Weltkrieg im Jahre 1914 begann. Selbstverständlich ruhten in den folgenden Jahren die Chorproben. Erst Ende 1919 setzte man sich wieder zusammen.
Und schon zeichnete sich ein erneuter Aufschwung ab. Bereits Anfang März 1919 arrangierte man ein gut besuchtes Familienfest und Ende März schloss sich die erste Generalversammlung nach dem Krieg an. 26 Sänger nahmen daran teil. Doch dann "kriselte" es etwas in den Friedrichsfelder Sängerkreisen. Hatte sich doch inzwischen, neben dem Werks-Chor der "Steinzeug", dem Frohsinn 1879, noch der Gesangverein "AGV Vorwärts" etabliert. Dieser wollte 1919, dass sich die Liederkränzler unter Aufgabe ihres Namens ihm anschlossen. Was die Liederkränzler allerdings nicht wollten.
Ein Höhepunkt im Vereinsleben und in der Geschichte Friedrichsfelds wurde das 50-jährige Jubiläum im Juni 1927. Insbesondere die Einwohner wetteiferten dabei mit der Ausschmückung der Häuser und Straßen. 14 Vereine mit 850 Sängern waren zum Preissingen nach Friedrichsfeld gekommen. Die Liederkränzler zählten damals 78 aktive und 150 passive Mitglieder.
Eine neue Zäsur trat dann, wie schon 1914, nach den Jahren des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) ein.
Doch die Liederkränzler ließen sich nicht unterkriegen.
Auch nicht durch den erneuten Versuch des damals wieder gegründeten "AGV Vorwärts", die Liederkränzler integrieren zu wollen. Vorübergehend nannte man sich deshalb "Sängervereinigung" - 1963 kehrte man allerdings wieder zum Namen "Liederkranz" zurück. Wohlgemerkt mit dem Kürzel "MGV" vor dem "Liederkranz".
Denn auch diese drei Buchstaben sollten verringert werden, und der Versuch dazu hätte beinahe zu größeren Katastrophen geführt. Sollten doch nach dem Willen des damaligen ersten Vorsitzenden Adolf Fischer auch Frauen in den Männer-Gesangverein aufgenommen werden. Die machten damals auch schon kräftig mit. Und sie etablierten sich. Was wiederum zur Namensänderung "GV Liederkranz 1877" führte.
Inzwischen sind wieder neue Zeiten angebrochen.
Denn es gibt seit 1998 einen neuen "Jungen Chor" den "Spirit of Music".
30 junge Frauen und knapp ein halbes Dutzend männliche Stimmen agieren in diesem "Jungen Chor" bereits mit viel Erfolg.
Und weiter geht es mit der Verjüngung.
Im Jahre 2002 wurde unser jüngster Chor - die "Liederkranzspatzen" - geboren und inzwischen auch eine Dauerkooperation zwischen Schule und Verein gegründet. Die Kooperation Schule und Verein mit der Friedrichsfelder Grund- und Hauptschule besteht bereits seit September 2004.
Mit unserem Kinderchor können wir nun getrost in Zukunft blicken.